Buchbesprechungen aus Zeitungen, Magazinen ...

Jurybegründung Nominierung "Deutscher Jugendliteraturpreis" 2007 / /
Der Mikrokosmos eines irischen Dorfes im Jahre 1984: Hier lebt die 16-jährige Shell mit ihrem trunksüchtigen Vater, einem fanatischen religiösen Eiferer. Seit dem Tod der Mutter versorgt Shell auch ihre beiden kleineren Geschwister. Ein bisschen Liebe sucht sie bei Declan, einem Jungen aus ihrer Klasse; doch dieser macht sich aus dem Staub und Shell bleibt allein zurück: schwanger. Unbemerkt trägt Shell das Kind aus.
Eine zutiefst beklemmende Geschichte, die schließlich noch eine weitere dramatische Wendung von außen erfährt.
In ihrem Debüt gelingt der irischen Autorin Siobhan Dowd eine bis in den Hyperrealismus reichende, sprachlich dicht gewobene Milieustudie, die der Übersetzer Salah Naoura stimmungsreich und eindrücklich ins Deutsche übertragen hat. Dass diese Geschichte aus der jüngsten Vergangenheit erzählt, wirkt verstörend. Dennoch dreht sie sich wie das Riesenrad am Ende des Romans von ganz unten wieder nach ganz oben. Und Shell ruft über den Rummelplatz: "Welche Lust, zu leben, welche Lust."

© http://www.jugendliteratur.org

Notiz zu Die Zeit vom 28.09.2006 / / 04.08.2007
Nicht mehr aus dem Sinn gehen, will Siggi Seuss der berührende und eindringliche Debütroman der Irin Siobhan Dowd. Den herauf beschworenen, ausdrucksstarken Bildern nach zu urteilen, wähne sich der Leser fast im ärmlichen Irland Frank McCourts: ein ständiges Nebeneinander von Buntem und Tristem, von Kinderlachen- und weinen, Teegebäckduft und Alkoholdunst. Dabei spiele die Geschichte über die sechzehnjährige Shell Talent im Jahr 1984, in einer scheinbar friedlich-ländlichen und katholischen Welt, deren einziges Manko Shells auseinander brechende, mutterlose Familie ist. Das Drama spitzt sich zu, als das Mädchen schwanger wird. Vor allem an der seltenen "Vereinigung von Geräuschen, Gerüchen, Gefühlen und Bildern zu einer Erzählung" entzündet sich die Begeisterung der Rezensentin, die in dem Roman eine "schreckliche Vielfalt des Lebens" vorgefunden hat, beglückend und bedrückend zugleich.

Mit freundlicher Genehmigung von http://www.perlentaucher.de

Notiz zu Süddeutsche Zeitung vom 01.12.2006 / / 04.08.2007
Die Rezensentin Elisabeth Bauschmid ist zutiefst beeindruckt von diesem Buch über ein schwangeres Mädchen im katholischen Irland, das zwar zu einem glücklichen Ende kommt, aber harte Realitäten keineswegs beschönigt. Die Autorin Shiobhan Dowd schaffe es, vieles in einer ambivalenten Schwebe zu halten und die Menschen überzeugend in den Widersprüchen zu zeigen, die sie gefangen halten. Das hat zwar zur Folge, dass Einiges in dem Buch "nicht aufgeht". Doch unterm Strich ist die Lektüre nach Meinung der Rezensentin für die anvisierte Leserschaft sehr anregend, und das liegt nicht nur an den "moralischen Fallen", welche die Autorin aufgebaut hat.

Mit freundlicher Genehmigung von http://www.perlentaucher.de



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