Buchbesprechungen aus Zeitungen, Magazinen ...

Jurybegründung Nominierung Deutscher Jugendliteraturpreis Jugendjury 2005 / /
Ein 15-jähriger Junge, belesen, intelligent und ziemlich gewissenhaft: Er packt seine Sachen, um sein Leben im hintersten Winkel einer Bibliothek zu verbringen. Was bringt ihn dazu, seinen Vater zu verlassen und einen so ungewöhnlichen Weg zu beschreiten? Parallel zu den Erlebnissen des Jungen wird vom Leben eines alten Mannes erzählt, der seit einem mysteriösen Zwischenfall mit Katzen sprechen kann. Ganz nahe, voneinander abhängig, und doch fern sind sich die beiden. Fast pedantisch, aber sehr philosophisch, werden noch weitere faszinierende Charaktere beschrieben, die einen nicht loslassen. "Kafka" nennt sich die Hauptperson und zum Ende hin fügt sich alles in einem Gemälde zusammen, das KAFKA AM STRAND heißt. Ödipuskomplex, die Frage, ob man sein Leben selbst bestimmen kann oder soll - die Themen sind breit gefächert und oft "schwere Kost". Nicht alles erschließt sich oder ist logisch. Doch gerade deshalb übt dieses Buch auf den Leser eine besondere Kraft aus - nämlich das Verlangen nach mehr.
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Notiz zu Die Zeit vom 25.03.2004 / /
Die Zeit vom 25.03.2004

Für Helmut Böttiger ist der Bestsellerautor Haruki Murakami der japanische Hermann Hesse, nur dass Murakami im Gegensatz zu seinem deutschen Ahnherrn "verdammt cool" ist. Der 15-jährige Kafka Tamura begibt sich bei der Suche nach dem "Sinn des Lebens" auf eine Reise, die ihn auch in die eigene Seele führt, fasst der Rezensent die Handlung zusammen. Er attestiert dem Autor, mit seiner Geschichte einen "beträchtlichen Sog" zu erzeugen, der vor allem aus dem Nebeneinander von "naturalistisch" gezeichneter Realität und fantastischen Elementen entsteht. Murakami scheut weder vor "Fantasy" noch vor "existentialistischem Pathos" zurück, stellt Böttiger fest und lobt, dass der Autor durchaus "bedeutsam" und dabei "sehr einfach" schreiben kann. Allerdings kann keine noch so interessante "Anspielung auf die Erwachsenkultur" wie beispielsweise die eingehende Interpretation einer Schubertsonate davon ablenken, dass dies ein Roman für Jugendliche ist, die "in die Geheimnisse des Lebens" eingeweiht werden wollen, stellt der Rezensent etwas nüchtern fest.

Mit freundlicher Genehmigung von http://www.perlentaucher.de

Notiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.03.2004 / /
Als griechische Tragödie mit japanischem Lokalkolorit hat Rezensent Jörg Magenau diesen Roman gelesen, in dem Haruki Murakami Moderne und Märchen, Mythos und Fantasy verschmolzen habe. Der Rezensent sieht einen Riss durch die Welt gehen, der Murakamis Fabuliermaschine in Gang setze. Genussvoll surfe er auf der modischen Oberfläche um zugleich eine Tiefendimension anzupeilen. Murakamis Protagonist heißt laut Magenau Kafka Tamura, ist fünfzehn Jahre alt und von zu Hause abgehauen. Ein typischer Murakami-Held, findet Magenau: "einsam, wortkarg, unabhängig und liebesbegierig". Ihm werde prophezeit, wie Ödipus seinen Vater zu töten und mit seiner Mutter zu schlafen, und seinen Aufbruch versteht der Rezensent auch als "Flucht vor dem Fluch". Doch natürlich erfülle sich das Schicksal, wozu Murakami am Schreibtisch jedoch alle Register des Surrealen ziehen müsse. Doch er schafft es in den Augen des Rezensenten, noch die skurrilsten Einfälle glaubhaft zu machen, selbst einen Makrelenregen nimmt Magenau ihm ab. Murakami sei ein freundlicher Erzähler, lesen wir, der eigentlich Jugendbücher für Erwachsene schreibe.

Mit freundlicher Genehmigung von http://www.perlentaucher.de

Notiz zu Neue Zürcher Zeitung vom 05.06.2004 / /
Neue Zürcher Zeitung vom 05.06.2004

Karl-Markus Gauß' Rezension dieses Buches des japanischen Kultautors ist eine Abrechnung. Und zwar nicht nur mit dem Buch selbst - "Schmonzette", voller "Plattitüden", es geht zu wie in der "schwäbischen Stube Hermann Hesses", das alles ist "quälend langatmig" -, sondern auch mit dem "gestrengen Feuilleton", das hier offenkundig auf einen fatalen postmodernen Blender hereingefallen ist. Wild und ohne Besinnen werfe Murakami hier nämlich alles Mögliche durcheinander, einen Jungen, der zu klug, einen Alten, der zu dumm für die Welt ist, "griechische Tragödie", "haarsträubende Handlung", Fantasie und Wirklichkeit, Sex (vielleicht, ganz klar scheint das nicht zu werden) und Sinnfindung. Was immer man zitieren mag aus dieser Kritik, es klingt unfreundlich, sehr unfreundlich. Zwar gelinge es Murakami, seine "Versatzstücke" miteinander zu "verzahnen", aber, leider, doch nur nach Art des "Irgendwie". Nein, kein positives Wort über dieses Buch.

Mit freundlicher Genehmigung von http://www.perlentaucher.de



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